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Haus Salmegg
mit Galerie und Stadtmuseum Rheinfelden
Farbfotos: J. Krause
"Vom Ackerbau zur Elektrolyse –
Rheinfeldens Gründerzeit"
Nach Lörrach
im Juli besuchte der Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg e.V. am
14. November 2009 in Rheinfelden (Baden) eine weitere
Geschichtsschau im Rahmen der trinationalen Ausstellungsreihe "Der
Oberrhein um 1900". Unter dem Titel "Vom Ackerbau zur Elektrolyse"
behandelte das dortige Stadtmuseum die Lebensverhältnisse zur
Zeit der Entstehung des Ortes.
Untergebracht ist das Museum in einer 1824 am Hochgestade
über dem Rhein errichteten klassizistischen Villa, dem Haus Salmegg. Museumskuratorin ist Dr.
Eveline Klein, ehemaliges Vorstandsmitglied des AK
Regionalgeschichte Freiburg. Als sachkundige Ausstellungsmacherin
eröffnete sie unserer Exkursionsgruppe bei der Führung anregende
Einblicke in die eigentümlichen Lebensverhältnisse der örtlichen
Bevölkerung am Ausgang des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts.
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Bau des Wasserkraftwerks Rheinfelden um 1896
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Geschichtlich
gesehen ist das badische Rheinfelden eine "junge" Industriestadt
an der Grenze zur Schweiz (Stadtrecht seit 1922). In der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts trug der Bahnhof, der auf der Gemarkung Nollingen
an der Strecke Basel–Konstanz lag, die Bezeichnung "bei Rheinfelden"
und bezog sich damit auf den bekannten Schweizer Ort jenseits des
Rheins.
Eine eigenständige deutsche Stadt dieses Namens konnte sich erst nach
dem Bau des großen Wasserkraftwerks entwickeln.
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Von Schweizer Firmen sowie der AEG unter Emil Rathenau vorangetrieben,
ging Europas erstes großes elektrisches Flusskraftwerk 1898 in
Betrieb und machte die Ansiedlung von Fabriken mit hohem Strombedarf
möglich: Aluminium- und elektrochemische Industrie. Für deren
Arbeitskräfte wurden in der weitgehend dörflichen Umgebung
Wohnmöglichkeiten geplant: Ein Bebauungsplan von 1904 zeigt
großstädtisch anmutende "Mietskasernen". Bau- und Bodenspekulation
spielten eine große Rolle. Die stürmischen Anfangsjahre haben in
Rheinfeldens Stadtbild Spuren hinterlassen, zum Beispiel in der
Elsa-Brandström-Straße mit ihren ins Auge fallenden mehrgeschossigen
Bauten.
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Beim
Rundgang durch sechs thematische Ausstellungsräume (z.B. Fabrikarbeit,
Freizeitvergnügen, bauliche Entwicklung) erschließen sich die
Besonderheiten dieser um 1900 – inmitten einer landwirtschaftlich
geprägten Gegend – aus dem Boden gestampften Industriestadt. In die
ländliche
Lebenssphäre drangen industrielle Lebensweisen ein, und das führte
in der Provinz zu neuartigen sozialen Gegensätzen. Sichtbar
wird dies in der
Ausstellung beispielsweise durch die Gegenüberstellung einer dürftigen
Arbeiterküche und eines prächtigen Fabrikanten-Zimmers im Jugendstil.
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Jugendstil-Zimmer einer Fabrikantenfamilie
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Ausstellungsstücke wie ein frühes elektrisches Waffeleisen oder eine
Annonce, in der eine Wohnung "mit elektrischer Klingel" beworben wird,
veranschaulichen, wie die Stromgewinnung aus Wasserkraft die
allmähliche Technisierung des Alltags ermöglichte.
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Fahne eines Rheinfeldener Gesangsvereins
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"Und sind wir
von der Arbeit müde – es bleibt noch Kraft zu einem Liede" oder "Dem
Guten, Wahren, Schönen soll unser Lied ertönen!" haben sich damals
örtliche Gesangsvereine auf die Fahnen geschrieben. Der Themenbereich
"Freizeitvergnügen" verdeutlicht, dass erst mit der Ausweitung der
abhängigen Beschäftigung durch die Industriearbeit ein davon
abgegrenzter Freizeitbereich entstand. Nicht selten wurde diese
individuell verfügbare Zeit durch neuartige Aktivitäten wie das damals
aufkommende Sporttreiben gestaltet (z.B. im Radfahrerverein oder im
Turnverein Rheinfelden von 1898).
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Nach dem Ausstellungsbesuch blieb etwas Zeit, die Gegend zu erkunden:
Über die Rheinbrücke aus dem Jahr 1912 (und die EU-Außengrenze) ging es
in wenigen Minuten ins alte Rheinfelden – ein Ort mit mittelalterlichem
Ambiente, der 1130 von den Zähringern zur Stadt erhoben wurde, längere
Zeit zu Vorderösterreich gehörte und seit
1802 schweizerisch ist.
Markus Eisen
und Jürgen Krause
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